Neugier
scheint mir das Wichtigste am Fotografenjob. Es gibt fast keinen anderen Beruf, der so viele Gelegenheiten bietet in fremde Häuser zu gehen. Hat ein Fotograf keine Gier nach Neuem, dann ist er verloren. Er kann nicht zuhause bleiben - da findet er keine Bilder. Ihm ist erlaubt durch Türen zu treten, die ihm sonst nie offen stehen würden. Das kann er ausnutzen, er hat mit der Kamera die Eintrittskarte in der Hand. "Ach so - der Fotograf - der darf rein" - das habe ich sehr oft gehört.
Respekt
ist für mich das Zweitwichtigste im Beruf. Es ist der Ausgleich zur Neugier. Denn ist die Tür erst auf, hat der Fotograf sehr große Macht. Das ungewohnte "beobachtet werden" konzentriert die Aktionen der Beobachteten oft auf den Zweck, dem Beobachter hoffentlich zu gefallen. Respektlose Fotografen werden dadurch schnell zum Voyeur. Und bei ihren "Opfern" entwickelt sich das Gefühl einen Fehler gemacht zu haben, sobald die Tür wieder geschlossen ist.
Mut
besser der Zwang zur Überwindung ist einer der Gründe, warum ich diesen Beruf gewählt habe. Vor die ersten Reihe zu gehen, um den besten Blick zu haben. Einen Unbekannten anzusprechen, um ihm klar zu machen, daß man ihm mit der Kamera in sein Leben treten will. Oder auch nur die Höhenangst zu bezwingen, auf der Suche nach dem geeigneten Standpunkt. Es gibt vieles in diesem Beruf, das Mut erfordert - der Lohn dafür sind die Bilder.
Wissen
hilft bei allem. Man findet die Fragen hinter den Fragen, man kann den Respekt gerecht dosieren und es ist der Bremsenlöser, wenn der Mut fehlt. Nur wer weiss, versteht was er sieht.
Freude
extra einzupacken ist kaum nötig. Vorausgesetzt man ist einigermassen erfolgreich im Traumjob. Die paar vorher genannten Dinge im Gepäck sind nach meiner Erfahrung eine sehr gute Voraussetzung seine Arbeit mit Freude auszuführen.

