Die in drei Kapiteln erzählte Geschichte meines wichtigsten Werkzeugs:
Kapitel 1
Von Wolken und Sonne bis zum Ende des Schnittbilds:

Die Kodak Instamatic 133X war meine erste Kamera. Mit 10 vom Taschengeld gekauft, war ich stolz, dass ich eine Kamera hatte, die eine Menge konnte: Der Film ließ sich dank 126er Kassette einfach einlegen. Und man konnte zwischen Sonne oder Wolken wählen. Und für Innenaufnahmen gab es die

Osram Magicube Blitzwürfel: Sie wurden aufgesteckt und zündeten ihre Magnesiumbirne mit einer gefährlich klingenden inneren Verpuffung. Hinterher war das Plastik heiß und innen alles voll weisser Asche. Aber sie wurden beim Filmtransport automatisch um ein Viertel gedreht, so dass die nächste Kammer zündbereit war. Man musste aufpassen, die "Magicubes" zu kaufen, während die "Flashcubes" nur auf die ähnlichen deutschen Agfa Kameras passten.
Meine ersten Fotoversuche waren wohl so vielversprechend, dass mir mein Vater im Urlaub immer seine

Zeiss-Ikon Contaflex Super lieh: Es war eine sensationelle Kamera, selbst noch 1974, also 7 Jahre nach ihrem Erscheinen. Mit Belichtungsmessung, Blendenautomatik und Satzobjektiv war sie ein Gerät, das mir die Grundlagen der Fotografie beibrachte. Mein Bruder tauchte sie später aus Versehen leider in die Rems, dem Fluss in meiner Heimatstadt Waiblingen. Zwar war ihr Untergang nur kurz, aber in den folgenden Stunden nahmen alle Innereien rostrote Farbe an und sie war dahin. Erste eigene Schwarzweiss-Abzüge entstanden im bei Quelle erstandenen Heimfotolabor eines Freundes und ich wollte mehr: Ewiges Sparen und 1976 hatte ich sie: Die revolutionäre

Canon AE-1. Ein Meilenstein der Kameratechnik aus Japan. Die erste elektronisch gesteuerte Spiegelreflexkamera, mit einer Batterie dick wie ein Finger. Mit ihr fing ich an auf Bildsuche zu gehen. Das Ergebnis waren Ferienjobs bei der Lokalzeitung. Klar nun war ich Profi.... zumindest im Kopf. Mein Traum war daher die "Profi"-Kamera von Canon. Damals war ich nicht Canon-fanatisch. Aber die F-1 besaß etwas, was die viel erfolgreichere Profi-Konkurrenz von Nikon nicht hatte: Spotmessung. Man konnte das Motiv gezielt nach Kontrasten ausmessen und damit die Belichtung viel genauer regeln, als mit den üblichen Kameras. Aber sie war vorerst zu teuer. Daher ein Zwischenschritt, der mir gebraucht und günstig zur Spotmessung und zwei Kameras gleichzeitig verhalf:

Die Canon FTb. Sie war mechanisch gesteuert, daher auch irgendwie professionell.... Damals dachte man wirklich noch, dass Mechanik zuverlässiger sei als Elektronik. Und sie hatte die tolle "Kelle und Zeiger" Belichtungsmessung, die auch die schöne schwarze "professionelle"

Canon F-1 hatte: 1978 war es soweit. Die FTb wurde gegen hohen Aufpreis in die schöne schwarze F-1 getauscht. Nun war ich Canon-Fan, nicht fanatisch, aber auf dem Weg dahin. Naja, man fühlte sich noch etwas altmodisch, denn die Erzkonkurrenz der Nikon-Fotografen lächelte nur über die "Amateurmarke" Canon. Die F-1 konnte man ausbauen: Andere Sucher, Motorantrieb, Objektive, Einstellscheiben usw. Alles kam zu Einsatz, solange ich es mir leisten konnte. Aber die Fotoreporter-Ferienjobs liefen gut. Meine Minderwertigkeitskomplexe gegenüber den Nikon-Kollegen hatten ein Ende als die

Canon F-1new 1981 auf den Markt kam. Sofort gekauft war sie nun ganz schön lange mein Handwerkszeug. Hier muss man erwähnen, dass Profis aus Pflichterfüllung dem Kunden gegenüber immer zwei Kameras brauchen. Schließlich kann man bei einem Kameradefekt nicht ohne Bilder vom Termin zurückkommen. Die F-1new ließ mich nie im Stich, obwohl ich nur eine hatte. Aber mit der konnte man Nägel in die Wand klopfen.

Die Plaubel Makina W67 kaufte ich 1983 für mein Studium: Eine in Deutschland gebaute Handkamera für das 6x7 Format. Mit ihr konnte man schnelle unauffällige Aufnahmen in damals maximal erreichbarer Bildqualität anfertigen. Sehr realistische Farben und eine sehr hohe Detailauflösung ließen die Bilder auch bei großformatigen Abzügen perfekt realistisch erscheinen. Diese Ära wurde noch ergänzt durch das noch größere Brüderpaar

Fuji GSW690 und

Fuji GW 690. Die eine mit Weitwinkel- die andere mit Normalobjektiv. beide mit 6x9 Filmformat. Noch größer, noch schärfer und noch unhandlicher. Aber mit Perfektion bei den Fotos. Als Ausgleich brauchte ich noch etwas ähnliches in klein: Eine gebrauchte

Leica M4-P, aus der legendäre Messsucher-Serie von Leica fürs Kleinbildformat. Mit diesen Kameras begann die unauffällige Freihandfotografie. Eine Kamera fürs Vergüngen. Heute frage ich mich, wie ich das überhaupt finanzieren konnte. das Filmmaterial musste ja auch bezahlt werden. Ich studierte Kommunikationsdesign mit Schwerpunkt Bildjournalistik an der Uni Essen und die dort gepflegte Mittelformatreportage auf Farbnegativfilm ging für mich auf das Ende zu, als diese Kamera erschien:

Die Canon T90 war, wie meine erste Spiegelreflexkamera Canon AE-1, erneut revolutionär. Dank dem Design von Luigi Colani lag sie perfekt in der Hand. Sie hatte einen eingebautem schnellen Motorantrieb und geniale elektronischen Hilfen für die Belichtung und Anzeige der Werte. Aber lange konnte ich ihr wiederum nicht treu bleiben, denn die größere Revolution stand erst noch bevor. Die T90 war die letzte Kleinbildkamera mit Schnittbild-Entfernungsmesser, die ich kaufte.
Kapitel 2
Automatisch besser bis zur letzten Entwicklung:

Die Canon EOS 650 war technisch gegenüber Konkurrenten etwas hinterher, aber als ich sie bei einem Händler skeptisch ausprobierte, war klar: Das wird die Zukunft. Sie hatte Autofokus. Die Schärfe wurde auf Wunsch automatisch eingestellt. Sie war eine Amateurkamera aus Plastik. Alle Kollegen lächelten, aber ich kaufte eine mit Zoomobjektiv, das ebenfalls nur was für "Amateure" war. Profis benutzten die optisch damals (noch) überlegenen Festbrennweiten. Aber mit dieser Kamera hatte ich plötzlich so viele gute Fotos, scharf und eben dank der stufenlosen Verstellung des Zoom auch aus der besten Perspektive, dass ich die "alten" F-1 und T90, die professionellen Geräte, aber eben ohne Autofokus, einfach nicht mehr nutzte. 1989 kam die verbesserte

Canon EOS 600 auf den Markt. Schneller und genauer in der Scharfstellung. Ich stieg komplett auf zwei der kleinen Maschinen um. Alle "Profi"-Geräte inklusive der alten Opjektive ohne Autofokus wurden auf einen Schlag noch zu guten Preisen verkauft. Ich musste daher alle wichtigen Brennweiten mit Autofokus und dem neuen vollelekronischen EF-Bajonett neu angeschaffen. Mich traf großes Unverständnis bei den Kollegen, Die Ansicht, Autofokus sei für Amateure, war noch lange verbreitet. Eine weitere kleine Canon-Sensation hieß

Canon EOS RT, auf die ich dann noch im selben Jahr umstellte: Sie war eine 600 mit einem wichtigen Unterschied. Sie hatte einen feststehenden Spiegel. Normalerweise klappt bei einer Spiegelreflexkamera der Spiegel, der das Licht durch das Objektiv in den Sucher lenkt, in dem Moment hoch, wo man auslöst. Dadurch fällt das Licht dann geradewegs auf den Film oder Sensor. Im Sucher ist es aber deswegen zwangsläufig einen Moment dunkel. Canon griff eine früher schon mal eingesetzte Technik auf und baute einen teildurchlässigen Spiegel ein. Ein Teil des Lichts wird in den Sucher gespiegelt, ein Teil fällt durch auf den Film. Dadurch ist ein Wegklappen des Spiegels zur Belichtung nicht mehr nötig. Der Effekt ist, dass der Fotograf sein Motiv auch während der Belichtung sieht. Für die meisten Profis hatte das nur den Sinn, dass man sah, ob der Blitz bei der Belichtung auslöste. Wer aber eine Leica M (ich hatte ja mal eine M4-P) kannte, der wusste um den echten Vorteil: Wird der Sucher bei der Belichtung schwarz, dann verliert der Fotograf für den kurzen Moment der Dunkelheit die Orientierung im Raum, die ja stark auf dem Sehsinn beruht. Man "verzieht" die Kamera leicht, weil kein optischer Orientierungspunkt da ist, während der Dunkelphase, also genau im Moment der Belichtung. Mit der RT kann man daher wesentlich längere Verschlusszeiten aus der Hand fotografieren, als dies mit einer Klappspiegelkamera möglich ist. Die beiden kleinen und leichten RTs blieben lange meine bevorzugten Geräte. Obwohl ich trotzdem immer alles Neue anschaffen musste: Zum Beispiel 1990 die erste "professionelle" Autofokus Kamera von Canon, die

Canon EOS-1. Sie war wie die T90 wieder wunderschön designed. Alles lag perfekt in der Hand. Sie war spritzwassergeschützt und gebaut wie ein Panzer. Sie ist die Grundlage aller heutigen Canons, die Berufsfotografen nutzen. Und zwei Jahre später war Canon wieder für Revolutionäres gut, was ich sofort testen musste:

Die Canon EOS 5 hatte Augensteuerung. Das heißt, die Stelle im Sucher auf die die Kamera scharfstellte konnte man allein durch "anblicken" auswählen. Und das funktionierte perfekt. Macht man ein Portrait von jemand der nicht in der Mitte des Bildes stehen soll, so ist das eine extreme Erleichterung und Beschleunigung bei der Arbeit. Leider fand die Technik mangels Akzeptanz bei den so konservativen Profis nie Eingang in spätere Geräte.
Meine Leica war damals längst wieder verkauft, da ich ohne Autofokus nicht mehr fotografieren wollte. 1993 kam dann eine schöne Alternative für die M-Leica auf den Markt:

Die Konica Hexar: Sie hatte ein extrem scharfes und lichtstarkes Objektiv und war klein, leicht und unauffällig. Und vor allem war sie leise, praktisch unhörbar. Und durch eine sehr gute automatische Scharfstellung sozusagen der "EOS-Leica-Klon". Sie ist immer noch ein Geheimtipp für Fotos mit Film und gebraucht günstig zu haben.
Mittlerweile wurde bei Canon die Profimaschine verbessert und 1994 als

Canon EOS-1n wie new neu aufgelegt: Ich musste natürlich ebenfalls den mit abgebildeten Motorantrieb kaufen, wie bei allen vorherigen professionellen 1er Modellen. Vielleicht der Erfolg der RT bei manchen "Insidern" überzeugte Canon ein Jahr später, also 1995 die EOS-1n ebenfalls mit feststehendem Spiegel anzubieten:

Die Canon EOS-1RS. RS stand für "Realtime System". Sie hatte nicht nur keine Dunkelphase, sondern sie löste auch extrem schnell aus. Eine 7-tausendstel Sekunde vom Auslöser Betätigen bis zur Belichtung ist immer noch die Bestmarke aller Kameras. Und sie schaffte 10 Bilder pro Sekunde. Der Film war dann nach 3,6 Sekunden voll. Erst 2007 überbot die neue digitale Nikon D3 diesen Bestwert. Die RTs und die 1n mussten verkauft werden und zwei RS blieben für 5 Jahre meine Arbeitsesel.
Zwischenzeitlich hatte ich viele Aufträge, die nach höherer Bildqualität verlangten. Dies war nur möglich mit Rückkehr zu größeren Filmformaten. Hier konnte ich ab 1997 eine schöne Ausrüstung aufbauen:

Die Mamiya RZ67pro: Ein Riesenklotz von Spiegelreflexkamera mit 6x7 Mittelformatfilm und Wechseloptiken. Eigentlich nur vom Stativ aus einzusetzen. Dann aber war sie toll. Dazu kam eine

Mamiya 645proTL: Die handlichere Zwischenlösung, ebenfalls mit Wechseloptiken fürs 6x4,5 Mittelformat. Nicht ganz so scharf wie die 67, aber handlicher. Und dazu noch eine

Mamiya 7: Sie wurde meine Urlaubskamera. 6x7 Format, so scharf wie die RZ, aber fast so handlich wie die Leica und Konica Hexar. Aber eben keine Spiegelreflex, was sie bei meinen beruflichen Aufgaben eher problematisch machte. Man hatte durch Parallaxe keine wirklich präzise Kontrolle über den Bildaufbau, denn der Sucher sitzt mit recht weitem Abstand über und neben dem Objektiv. Für ganz große Auflösung schaffte ich auch noch eine Kamera an, die meistens nur im Studio eingesetzt wird:

Eine Arca Swiss F-Line für das 4x5inch Grossformat. Mit Schweizer Mechanik kann man mit ihr tolle Effekte erzielen, da man Objektiv und Filmebene unabhängig voneinander kippen und verschieben kann. dadurch ist die Schärfenebene im Bild fast beliebig beinflussbar und Verzerrungen lassen sich vermeiden oder auch erzeugen. Im Jahr 2000 dann das filmische Meisterstück von Canon:

Die Canon EOS-1V. Sie ist und bleibt vermutlich für alle Zeiten die teuerste und technisch edelste EOS für professionelle Filmbelichtung. Klar, ich musste sie haben! Aber lange sollte ich zum Glück nicht mehr nach dem Fototermin beim Filmentwickeln im Dunkeln stehen.
Kapitel 3
Ein teurer Start und heute zweistellige Millionen:
Ich war längst Computerfreak. Seit der zweiten PC-Generation, genauer seit 1985 benutzte ich Computer für meine Büroarbeiten. Ich hatte neben meinen diversen Kameras längst auch einen sehr hochwertigen Filmscanner angeschafft und lieferte Bilder per Internet aus. Dadurch hatte ich einen hohen Geschwindigkeitsvorteil gegenüber vielen Kollegen. Ich hatte ein eigenes Farblabor zur Filmentwicklung und die besten Bilder konnte per Scan noch am selben Abend an den Kunden übermittelt werden. Es gab von Kodak schon 1991 die erste professionelle Kamera mit imerhin 1,5 Megapixeln. Und 1995 kam eine 6-Megapixel Kodak/Canon Gemeinschaftsentwicklung für EOS-Objektive heraus. Sie kostete mehr als ein Mercedes. Man munkelte, dass Kodak bei der Fertigung hunderte Bildaufnahmechips wegwerfen musste, bis einer dabei war, der keinen Fehler bei den 6 Millionen Aufnahmepixeln aufwies.
Ich beobachtete diesen damals sehr kleinen Bereich technischer Entwicklung von Anfang an sehr genau und kaufte 1999, als ich professionell noch Film einsetzte und hier auch noch ständig neue Geräte entwickelt wurden, meine erste digitale Kamera:

Eine Canon D2000, baugleich mit der Kodak DCS520. 2 Millionen Pixel und immer noch teuer wie ein Kleinwagen. Aber sie machte mir nach wenigen Tests klar, dass Filme in absehbarer Zeit unnötig würden Der Chip hatte, wenn man die "nur" 2 Millionen Bildpunkte in den Vergleich mit einbezog, eine unverschämte Qualität. Es waren nur zu wenig Bildpunkte, ansonsten überwogen die Vorteile und die erreichbare Qualität eindeutig. Ich hatte ja den direkten Vergleich zu meinen Scans, die auch nicht schlecht waren (mein Scanner war ein Imacon Flextight Precision, genauso teuer wie die D2000). Und es war klar: Das war nur der Anfang. Mein eigentlicher Umstieg auf die digitale Arbeitsweise begann noch im Jahr 2000 - wie schon beim Umstieg zum Autofokus wieder mit einer Canon "Amateur"-Kamera:

Die D30 ist, wie meine erste Spiegelreflex, die Canon AE-1, ein Meilenstein in der Kamerageschichte: Die erste digitale Spiegelreflexkamera zu einem für Amateure vertretbaren Preis. Und sie hatte 3,25 Millionen Pixel mit einem von Canon entwickelten und hergestellten CMOS-Chip. Viele lästerten über den "Billigchip", aber er war im Vergleich den Kodak-CCDs überlegen. Er begründete den überragenden Erfolg der digitalen Canon Spiegelreflexkameras heute. Ich konnte die D2000 kurz vor der Vorstellung dieser D30 verkaufen und schaffte mir sofort zwei der kleinen Kameras an. Ab da war Kleinbindfilm für mich Vergangenheit. Die Bildqualität der D30 war jeder analogen Kleinbildkamera in fast allen Bereichen überlegen. Das haben zwar viele Kollegen noch jahrelang bezweifelt. Aber der direkte Vergleich gegen Scans von Kleinbilddias bewies das sofort. Ich verkaufte ab da alle analogen Canons, zum Glück und dank meinen konservativen Kollegen, immer noch zu guten Preisen.
Die auch schon mehrere Jahre angebotene Canon D6000, gleich Kodak DCS 560 unterschied sich zur D2000 durch den Kodak 6 Millionen Pixel Chip. Sie hatte daher den "S-Klasse"-Preis. Mitte 2000 gab es eine kräftige Preissenkung, initiiert durch die "billige" D30. Und den 6 Millionen Pixeln konnte ich nun nicht mehr wiederstehen. Ich verkaufte meine Mittelformatausrüstung, bestehend aus meine Mamiyas mit allen Optiken und aus dem Erlös kaufte ich die 6 Millionen Pixel starke

Kodak DCS 560. Das beste an digitaler Technik das erhältlich war. Plötzlich waren digital fotografierte Doppelseiten möglich. Und ich hatte mein Ziel fast erreicht: Beinahe Mittelformatfilm-Qualität und fast so schnell wie die analoge EOS-1V, die damit auch ausgedient hatte. Und ich hatte den "Polaroideffekt" durch die Monitorkontrolle auf der Rückseite. Aber handlich war diese Kamera nicht... Okay das ging nicht lange, denn Canon brachte im September 2001 zur Photokina das Unvorstellbare:

Die Canon EOS-1D, die digitale Variante der EOS-1V. 8 Bilder in der Sekunde mit 4,1 Millionen Pixeln. Die D30 wurden verkauft und ich arbeite parallel mit der 1D und der Kodak DCS 560, wenn mal mehr Auflösung nötig war. Naja, das ging auch nicht lange, denn es gab Gerüchte, daß eine verbesserte D30 zur PMA im Februar 2002, einer Messe in Las Vegas, vorgestellt werden sollte. Ich verkaufte schnell die noch immer ultrawertvolle 6 Millionen Pixel Profi-Kodak zu einem akzeptablen Preis und sollte recht behalten:

Die EOS D60 war 2 Monate danach auf dem Markt: Wie die Kodak mit 6,3 Millionen Pixeln bestückt, aber amateurgerecht-billig. Und sie hatte dank dem CMOS-Sensor die "besseren" Pixel mit viel geringerem Rauschen bei höherer Empfindlichkeit. Ich kaufte 2 Stück und die 1D blieb wegen der unterlegenen Auflösung immer öfter im Schrank. Was nun zur Photokina im September 2002 vorgestellt wurde, war vorhersehbar:

Die Canon EOS-1Ds war für 2 Jahre das Nonplusultra: 11 Millionen Pixel in erstaunlicher Qualität. Etwas langsamer als die 1D, aber ein Traum für die schnell wachsende Zahl der Digitalfotografen. Aber die Wünsche wurden weiter angeheizt:

Die Canon EOS-1D MarkII wurde vorgestellt zur PMA im Februar 2004. Sie hat 8 Millionen Pixel bei 8,5 Bildern pro Sekunde. Und Canons Takt wurde beibehalten: Auch die Canon EOS-1Ds wurde durch die kurz vor Beginn der Photokina am 21. September 2004 vorgestellte Version

EOS-1Ds Mark II ersetzt: Vor Weihnachten 2004 konnte ich meinen Kunden 16,7 Millionen Pixel Auflösung bieten. Die doppelte Auflösung der 1D Mark II, allerdings bei halber Bildfrequenz. 4 Bilder pro Sekunde sollten aber in den meisten Fällen reichen. Bilder dieser Kamera kann man bis zu einer Größe von mehr als DIN A2 (ca 70 x 45 cm) verlustfrei im Offsetdruck bei 300dpi drucken. Canon nutzte die Kameranamen im Profibereich nun um abgestufte Versionsschritte zu beschreiben: EOS für die Spiegelreflexlinie, "1" für Profi, "D" für Digital, "Mark II" für die 2te Ausgabe und "N" für die verbesserte Version davon:

Die Canon EOS-1D Mark II N kaufte ich nach deren Ankündigung Ende August im November 2005. Neben vielen kleinen Verbesserungen hatte sie vor allem ein größeres Bilddisplay auf der Rückseite und eine erheblich verbesserte Darstellung der Schärfe des aufgenommenen Bildes. Doch sie war nur ein Zwischenschritt:

Um den Anschluss bei der Bildqualität zu halten, tauschte ich dann im August 2006 die Canon Profigehäuse gegen 2 Gehäuse der neu erschienenen leichten und kleinen Canon EOS-5D, die zum ersten Mal einer größeren Zielgruppe von Amateuren den Einstieg in Auflösung über 15 Millionen Bildpunkten ermöglichte und eine bis dahin nicht erreichte Bildqualität lieferte.

Die Canon 1D Mark III brachte mich im Frühjahr 2007 zu den Profikameras zurück. Sie bietet 10 Millionen Pixel Auflösung mit 10 Bildern in der Sekunde bei einer bisher unerreichten Qualität bei hoher Empfindlichkeitseinstellung. Die Folge war, daß sich die Fotografie immer weitere Einsatzbereiche eröffnete: Wo man bisher ohne Blitz nicht arbeiten konnte, wurden nun selbst ohne zusätzliches Licht Aufnahmen mit langen Brennweiten aus der Hand möglich. Erfreulich auch, dass diese Kamera wenige Zeit später nach Canons langen Jahren "Alleinherrschaft" im Digitalbereich ernsthafte Konkurrenz durch die neu angekündigte technisch sensationell verbesserte Nikon D3 bekam.
Den Umstieg auf Nikon musste ich aber nicht in Erwägung ziehen, denn Canon kontert im August 2007 mit der Ankündigung einer neuen 1Ds, dem "großen Bruders" der 1D Serie:

Die Canon 1Ds Mark III bietet mit ihren 21 Millionen Pixeln Auflösung eine Bildqualität, die sogar bei großen Postern von 1 Meter Länge kaum Schwächen erkennen lässt. Und sie erreicht diese Qualität mit einer Geschwindigkeit von 5 Bildern/Sekunde. Ich habe diese 7. Profikamera von Canon in 7 Jahren als einer der ersten in Deutschland geliefert bekommen und hatte mit ihr zum Glück nicht ähnliche Anlaufprobleme, wie bei der zuvor angeschafften 1D Mark III, die zweimal mit der Meldung "Error 99" ihren Dienst einstellte und unter anderem deswegen zweimal von Canon auf Garantie komplett getauscht wurde.
Dass Nikon seit dem Erscheinen ihrer D3 viele mit Canon arbeitenden Profis zum Wechseln der Marke veranlasste, habe ich von Anfang an wahrgenommen. Die D3 zeichnet sich durch das klügere Konzept aus: Ein Vollformatsensor bei 12 Millionen Pixel Auflösung ist für Reportage-Fotografen der optimale Kompromiss zwischen Auflösung und Lichtempfindlichkeit. Ohne zu übertreiben ist sie geeignet selbst bei Kerzenlicht noch ohne Blitz gute Ergebnisse bei kurzen Verschlusszeiten zu erzielen, da die einzelnen Sensorzellen bei nur 12 Millionen Pixel auf 24x36 mm Sensormaß eine sehr große Fläche haben und damit entscheidend höhere Lichtempfindlichkeit bieten als bei bisherigen Kameras. Nikon konnte jedoch im Bereich der hochauflösenden Kameras wie der Canon EOS-1Ds keine Entsprechung bieten. Somit war ein Wechsel undenkbar.
Das änderte sich im Dezember 2008 mit der Ankündigung der Nikon D3x mit 24 Millionen Pixel Auflösung.
Nach 32 Jahren Treue und 25 Kameratypen von Canon testete ich nun ernsthaft, ob ich mit Nikon Kameras klar kommen könnte. Das sehr seltsame Gefühl, den jahrzehntelangen Treueschwur eventuell zu brechen, wich der Ernüchterung darüber, dass hier das bessere Handwerkszeug das Rennen machen muss, solange ich dies finanzieren kann.
Das Gefühl des "ersten Mal" mit der Nikon war sehr beunruhigend. Ich ahnte, dass diese Kameras neben der besseren Bildqualität auch eine Menge technische Details boten, die Canon einfach als nicht wichtig erachtete und dass das bei meinen zugegeben unvernünftigen Ansprüchen an mein Werkzeug eine hohe Investition nach sich ziehen könnte. Ich erstellte dann eine Punkteliste der Features, die mich in meiner Arbeit weiterbringen. Und diese Liste hatte ihr eindeutiges Plus bei den Nikons.
Das alleine wäre noch kein Grund zum Umstieg, weil Canon sicher in abwartbarer Zeit mit neuen Kameras kontern würde. Aber dann setzte ich die neuesten Nikon-Objektive auf die D3, die ich beim Umstieg ja ebenfalls tauschen müsste: Es hat mich regelrecht geschockt, wie perfekt die gängisten Brennweiten gebaut waren und wie scharf sie abbildeten. Ab da suchte ich den besten Weg aus der Untreue Alltag zu machen - es ging ja nur um Kameras.
Im März war es dann soweit. Eine D3 und eine D3x sind ab sofort meine neuen Maschinen. Sie sehen böse aus mit ihren ganzen Schalterpickeln und -warzen und dem behelmten Prisma im Darth Vader-Design, sagte meine Frau beim Vergleich mit den hübschen Stromlinien-Canons. Die ersten Umstellungsprobleme habe ich bewältigt: Es ist wie Autofahren in England, denn bei Nikon gehen auch noch alle Einstellungen andersrum wie bei Canon. Aber ich mag sie echt, meine beiden Aliens mit dem blutroten Mal unter dem Auslöser:


Gut, ganz aufgeben will ich Canon nicht. Nikon hat im Bereich der hochlichtstarken Objektive noch nichts Entsprechendes zu bieten, so behalte ich eine neue Canon 5 D Mark II, ein für die Auflösung wirklich günstiges Gerät mit 21 Megapixeln:


